Worum geht´s?

Fakten

Der Altdorfer Wald ist ein ca. 10.000 ha großer Mischwald, der, als größtes zusammenhängendes Waldgebiet der Region, als „grüne Lunge Oberschwabens“ fungiert. Am Ende der letzten Eiszeit haben zurückweichende Gletscher die Kiesvorkommen des Waldburger Rückens hinterlassen, die durch ihre Filterwirkung u.a. zu der Reinheit der rund 250 Wasserquellen beitragen, die im Altdorfer Wald entspringen.
85% des Waldes sind Staatswald, der z.T. zur „Nutzung“ an Unternehmen verpachtet wird. Ca. die Hälfte steht als FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat), Biotopgebiet, Waldschutzgebiet oder Wasserschutzzone unter Schutz.
 
Der am 25.06.2021 beschlossene Regionalplan des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben sieht vor, dass ca. 60 ha nicht zusammenhängende Fläche des Waldes für den Kiesabbau freigegeben werden.Besonders im Fokus stehen zwei Waldstücke in der Nähe der bereits existierenden Kiesgrube bei Oberankenreute und ein 11 ha großes Waldstück bei Vogt/Grund, auf dem sich aktuell die Waldbesetzung befindet. Bevor der unter dem Waldboden liegende Kies abgebaggert werden kann, müssen die Unternehmen, an die die Waldstücke verpachtet wurden, noch Genehmigungsverfahren in Gang setzen, in die mit Klagen eingegriffen werden kann.
 
Mehr Informationen gibt es auf der Seite des Vereins „Natur- und Kulturlandschaft Altdorfer Wald“
 

Problematik

Die geplante Kiesgrube bei Vogt/Grund, deren Gebiet aktuell besetzt ist, ist aus mehreren Gründen höchst problematisch. Nicht nur die örtlichen Ökosysteme, Biotope und Trinkwasservorkommen sind durch den Kiesabbau bedroht, auch auf überregionaler Ebene sind die beteiligten Unternehmen in höchst umweltschädliche Projekte involviert. 
Hauptverantwortliche*r ist das Unternehmen Meichle&Mohr, zu dem die an dem Abbau bei Grund interessierte Karsee GmbH gehört. Bereits heute werden Teile des von Meichle&Mohr abgebauten Kieses billig nach Österreich und in die Schweiz exportiert, da der dort abgebaute Kies aufgrund schärferer Umweltschutzauflagen deutlich teurer ist. 
Weitere Teile des Kieses sollen in der Region in der Asphaltmischanlage Grenis verarbeitet werden, die von der Deutschen Asphalt GmbH, einer Tochterfirma der Verkehrswendeaktivistis nur allzu bekannten STRABAG AG betrieben wird. Hier werden Verbindungen sowohl zu Verkehrs- als auch zu Energiewendethemen offenbar, den in der Asphaltmischanlage wird trotz der Möglichkeit, umweltfreundlichere Alternativen zu nutzen, aus Nordrhein-Westfalen herangeschaffter Braunkohlestaub verarbeitet. Zudem sehen behördliche Vorschriften vor, dass das Asphaltwerk nur dann weiter betrieben werden darf, wenn in der Region weiterhin Kies abgebaut wird. Es drängt sich also der Eindruck eines Alibi-Kiesabbaus für den Weiterbetrieb der lukrativen Asphaltmischanlage auf. Vor allem für die Anwohner*innen stellt auch das erhöhte Verkehrsaufkommen durch Kieslaster auf den Landstraßen eine erhebliche Belastung dar.
 

Kampfort

Seit dem 25. Februar 2021 sind die 11 Hektar der geplanten Kiesgrube bei Vogt/Grund von Aktivist*innen besetzt. Indem Baumhäuser und Plattformen in die Bäume gebaut, Traversen gespannt und andere Strukturen errichtet werden, wird die geplante Rodung des Waldstücks aktiv verhindert. Sobald die Rodungsmaschinen hier anrücken, werden wir diesen Wald mit unseren Körpern und allen Mitteln schützen und verteidigen. Wir werden nicht dulden, dass von „oben“ abgesegnete, umweltschädliche und lebensverachtende Bau- und Abbauprojekte weiterhin rücksichtslos durchgesetzt werden. Dem Einsatz der Staatsgewalt in Form von Einschüchterung, Überwachung und Räumungsversuchen der Polizei werden wir uns entschieden entgegenstellen. Wir stehen gemeinsam und stark gegen Kriminalisierung und Repression! Ihr könnt euch nicht weiterhin unserer Wälder, unser Trinkwasser, unsere Lebensräume nehmen, ohne mit Konsequenzen zu rechnen! Das ist unsere Zukunft, über die ihr da entscheiden wollt, das ist unser Wald, ihr kriegt uns hier nicht raus!
 

Lebensort

Ein wichtiger Aspekt unseres Lebens im Wald ist das Ausprobieren und Leben alternativer Gesellschaftsformen. Unser Zusammenleben organisieren wir gemeinsam, ohne Hierarchien, Gesetze und Verwertungslogik. Kein Mensch in der Besetzung hat etwas über andere zu bestimmen, keine Stimme zählt mehr als jede andere, keines  kann über andere bestimmen. Wir versuchen, uns von den Normen, Kategorien und Einschränkungen der aktuellen Gesellschaft zu befreien und ein Miteinander zu leben, in dem alle Menschen so sein können, wie sie sind, solange sie damit keinen anderen Wesen schaden. Dazu gehört, dass wir unsere Sozialisierung, unser Verhalten permanent reflektieren und hinterfragen, da wir alle durch unser Aufwachsen in diesem System Muster, Vorurteile und Bilder wie z.B. Sexismus und Rassismus in uns tragen. Wir versuchen, die Bedürfnisse aller Bewohner*innen des Waldes soweit es geht zu berücksichtigen, Wünsche und Eigenarten zu respektieren und aufeinander zu achten.
 

Lernort

Der Abbau von Wissenshierarchien ist vielen Menschen in der Besetzung ein großes Anliegen. Wir leben in einer recht konservativen Region, die neue Ideen, Konzepte und Lebensentwürfe gut gebrauchen kann. Im Wald finden immer wieder Skillshares statt, in denen wir Wissen z.B. über Klettern, Baumhausbauen und Wildkräuter weitergeben. Wenn du im Wald bist und etwas lernen möchtest, kannst du einfach auf Menschen zugehen, die es wissen könnten, oder es in unserer täglichen ToDo-Besprechung ansprechen. Im Wald finden immer wieder Austauschrunden zu Themen statt, die uns beschäftigen, wie etwa mentale Gesundheit oder Repression. Außerdem möchten wir Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden organisieren, die sich auch explizit an Menschen außerhalb des Waldes richten und die Themen, die uns wichtig sind, weiter in die Welt tragen.
Vom 27.08.-05.09. findet im Alti ein Skillsharing-Camp ähnlich der Hambi-Skillsharings statt.
 

Vernetzungsort

Die Waldbesetzungsbewegung ist eine zwar stetig wachsende, aber dennoch recht kleine Bewegung. Somit ist der Alti – wie jede andere Besetzung auch – ein Ort, an dem Menschen sich vernetzen und wieder treffen können, an dem zusammen Aktionen in der Region wie auch an anderen Orten geplant werden können. In unserem Infopoint gibt es Infomaterial verschiedenster emanzipatorischer Bewegungen. Falls ihr dort Flyer auslegen wollt oder im Alti Mobiveranstaltungen für Aktionen, Camps etc. machen wollt, kommt gerne vorbei oder meldet euch bei uns 🙂